DA NACH Ingo Springenschmid – Vernissage Freitag, 15.6.2018

Datum/Zeit
15.06.2018 bis 19.08.2018
15:00 bis 18:00

Veranstaltungsort
Galerie allerArt, Raiffeisenplatz 1, 6700 Bludenz

 

Eröffnung Freitag, 15. Juni 2018 um 20.00 Uhr

„nie war etwas, wie es auch hätte sein können.

ohne zusammenhang.“

 

Ausstellungsdauer 16. Juni bis 19. August 2018 jeweils Mittwoch bis Sonntag sowie Feiertag von 15.00 – 18.00 Uhr

 

Ingo Galerie

 

 

DA  NACH

Ingo Springenschmid

Kurator: Hubert Matt

 

Hubert Matt

 

„nie war etwas, wie es auch hätte sein können. ohne zusammenhang“ : Dieses Zitat von Ingo Springenschmid aus seinem Buch  „Tische – Maximen und Ausreden“, erschienen in der Reihe Zeitwörter,1973 bildet das Motto der ersten posthumen Ausstellung zu Ingo Springenschmid, kuratiert von Hubert Matt.

 

1972 hatte Springenschmid die erste Ausstellungsbeteiligung in der Galerie Seebacher in Nüziders. 1970 war er  von Salzburg – wo er 1942 geboren wurde – nach Bludenz übersiedelt. 1973 gab es eine Gruppenausstellung in der Galerie Maerz in Linz, einem Zentrum konzeptueller und textbezogener Kunst in Österreich. Es folgen Ausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen, Lesungen. Buchprojekte: Handschreiben(1987) mit der Galerie Buchmann in St. Gallen, Pattstellung(1987), Parallelstrategien(1992),KAP(1996),  sonders und samt(1997) Kunst zu lesen(2002) Zu Fall und Stelle(2012), gleichnamig die letzte große Ausstellung in der Künstlervereinigung in Bregenz. Springenschmid war Mitbegründer des Vereins allerArt in Bludenz, Kurator dort über viele Jahre. Zum 30_Jahrjubiläum widmet die Galerie nun ihre Sommerausstellung ihrem Mitgründer und langjährigen Kurator. Der Künstler war auch ein wichtiger Lehrer für bildnerische Erziehung  am Bundesgymnasium Bludenz, zahlreiche KünstlerInnen und SchriftstellerInnen Vorarlbergs sind bei ihm in die Schule gegangen, viele davon hat er später noch unterstützt und betreut. Als Mitglied im Vorstand der Berufsvereinigung bildender Künstler kuratierte er Ausstellungen und sorgte für einen gegenwärtigen Diskurs in der Kunstszene. 2016 starb Springenschmid in Bregenz, seiner zweiten Wahlheimat. 1977 erhielt er den Slavi Soucek_Förderpreis für Grafik in Salzburg und 2013 den Internationalen Kunstpreis des Landes Vorarlberg. Seine Ausbildung absolvierte er 1959 bis 1964 an der Kunstschule der Stadt Linz und der Akademie der bildendenden Künste in Wien.

 

Die Aufarbeitung der Arbeiten und der Biografie von Springenschmid beginnt mit dieser Ausstellung. Sie ist also nicht das Ergebnis einer solchen, sondern ein Vortasten – dem sinnvollerweise eine intensive Forschungsarbeit folgen wird. Keine Chronologie der Werke, keine biografische Darstellung, keine Werkübersicht, keinerlei Versuche intimer Einblicke, keine Erklärungs- oder Deutungsversuche, so der Kurator der Ausstellung über die Arbeitsweise. Was ist die Ausstellung aber dann? Sie ist der Versuch, seine Arbeiten bzw. sein Arbeiten, seine künstlerische Geste in das DA, sprich in die Präsenz zu bringen. Das Danach sollte nicht zu einer Disziplinierung der künstlerischen Arbeit, der Einordnung in gängige Schemata werden, sondern eine mehrschichtige und lebendige Gegenwärtigkeit des Schaffensprozesses offen legen. Es ist in diesem Sinne keine Ausstellung über Springenschmid, sondern zu ihm.

Die Ausstellung kann nicht auf einen aufgearbeiteten Nachlass sich stützen, sie stellt Artefakte aus unterschiedlichen Depots zusammen. Arbeiten aus den Arbeitszimmern von Springenschmid, Arbeiten aber auch aus dem Wohnumfeld in Bludenz, der Halde und Arbeiten, die er Freunden und Kollegen überlassen hat.

Eine Vollständigkeit ist nicht angestrebt. Es wird versucht, spannende Momente zu schaffen, Konstellationen, die mehr irritieren als erläutern, die Fragen stellen. Arbeiten äußerster Fragilität und Zerbrechlichkeit werden mit solchen von höchster Präzision und handwerklicher Professionalität konfrontiert. Springenschmid arbeitete stets gegen die Illusion und die Fiktion, dem folgt diese Ausstellung. Wir finden ganz leichte Arbeiten – auf Vlies mit Schreibmaschine geschrieben – oder eher schwere Arbeiten – wie eine Materialcollage aus der Sammlung der Stadt Bludenz. Wir finden Objekte, Textarbeiten, Collagen oder Zeichnungen. Viele Arbeiten haben weder Titel noch Datum, finden sich in Abbildungen aus früheren Publikationen in teils völlig anderer Form.

 

In der Ausstellung gibt es einen kleinen Forschungstisch. Hier werden Recherchematerialien ausgelegt – sie erlauben den BetrachterInnen selber in die Recherche einzusteigen –  und vor allem auch seine Bücher. Springenschmid muss immer gleichzeitig als Schriftsteller und bildender Künstler gesehen werden. Die Grundthese der Ausstellung: Springenschmid ist ein Poet, seine Arbeiten sind – wie er im Buch „Tische und Maximen“ es im Gespräch mit Kurt Greussing formuliert, Übungen dazu. Übungen die immer wieder umgearbeitet, zerstört oder  neu aufgebaut worden sind. Die Arbeit „Tragkreuz“, eine Collage etwa ist mit 1972 bis 2014 zeitlich bestimmt, hat also 42 Jahre Arbeit und Umarbeitung in sich.

Sein Tod hat diese Übungen beendet, eine Ausstellung zu Ingo Springenschmid – ohne Dokumente oder private Artefakte – darf diese Übungen nicht in endgültige Bilder verwandeln. So gilt auch für diese Ausstellung, was Ingo Springenschmid in einem Gespräch mit Roland Jörg in der Zeitschrift KULTUR 1988 gesagt hat: „Ich möchte nicht irgendwelche Zusammenhänge konstruieren, die etwas auslösen, was nicht mehr veränderbar ist.“

Am 29. Juni gibt es eine Gesprächsrunde über Ingo Springenschmid. TeilnehmerInnen:

Hubert Matt

Willi Meusburger

Michael Konzett

Jürgen Thaler

Wolfgang Maurer

Marina Schöpf, u.a.

 

An diesem Tag wird auch die Publikation zur Ausstellung präsentiert werden.

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